Pensionskasse

Dynamisch anlegen, Renten sichern

Die Zinsen kennen nur eine Richtung: abwärts. Höchste Zeit für Pensionskassen, ihre Anlagestrategie zu überdenken.

Investitionen den Bedingungen anpassen

Die Zinsen sind im Keller. Und das schon lange. Das zwingt Pensionskassen, umzudenken und ihre Anlagestrategie anzupassen. Doch wie sieht so etwas konkret aus? Christine Holstein und Allan Holmes von der Perspectiva Sammelstiftung haben es mir erklärt. 

Frage: Frau Holstein, die Perspectiva Sammelstiftung verfolgt eine dynamische Anlagestrategie. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Christine Holstein: Stellen Sie sich die Fahrt in einem Auto vor. Dynamisch heisst, dass ich meine Fahrweise den Verhältnissen anpasse. Bei Schneefall oder kurvigem Strassenverlauf gehe ich runter vom Gas. Auf einer übersichtlichen Geraden kann ich hingegen ohne grösseres Risiko beschleunigen.

Frage: Das leuchtet ein. Und wie wenden Sie diese Metapher auf die Anlagestrategie an?

Ch. Holstein: Ganz einfach. Die Strasse entspricht den Finanzmärkten. Bei fallenden Märkten investieren wir defensiv: Risiko raus, Aktienquote verringern, Verluste begrenzen. Bei steigenden Märkten können wir umgekehrt die Aktienquote erhöhen und die Renditechancen nutzen.

Frage: Was wäre das Gegenstück dazu? Eine statische Strategie?

Ch. Holstein: Wir sprechen von einer klassischen Strategie. Ich bleibe beim Bild des fahrenden Autos. Anstatt einer dynamischen Anpassung wähle ich hier eine mittlere Geschwindigkeit. So kann ich gute Phasen nutzen und holprige Abschnitte unfallfrei überstehen.

Allan Holmes: Eine dynamische Strategie nennt man auch retrospektiv. Bei der Perspectiva schaut sich der Portfoliomanager täglich die Bewegungen der Aktienmärkte an und reagiert darauf. Dahingegen werden bei einer klassischen Strategie mögliche Schwankungen antizipiert. Man blickt quasi in die Zukunft und stellt das Portfolio proaktiv zusammen. 

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Ausreichende Diversifikation

Frage: Mal ganz unabhängig von der Strategie – aus welchen Bestandteilen setzt sich ein Portfolio überhaupt zusammen?

A. Holmes: Das Vermögen einer Pensionskasse wird in verschiedene Anlagekategorien aufgeteilt. Diversifikation ist dabei sehr wichtig. Nur auf ein Pferd zu setzen, wäre fahrlässig.

Ch. Holstein: Die Anzahl der Kategorien legt der Stiftungsrat fest. Die wichtigsten Anlagekategorien sind Aktien, Obligationen, Immobilien und alternative Anlagen.

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Frage: Gutes Stichwort. Wie sieht es bei der Perspectiva mit der Nachhaltigkeit aus? Auf Ihrer Website habe ich dazu keine Angaben gefunden.

A. Holmes: Umso besser, dass Sie es ansprechen. Uns ist es wichtig, das CO2-Risiko unserer Fonds laufend zu senken. Das heisst, dass wir in klimaneutrale Titel investieren, um den CO2-Abdruck unseres Portfolios so klein wie möglich zu halten. 

Frage: Zeit für ein Zwischenfazit. Wenn ich bis hierher alles richtig verstanden habe, besteht der Hauptvorteil einer dynamisch ausgerichteten Strategie darin, dass sie flexibel auf variierende Marktbewegungen reagieren kann.

Ch. Holstein: Das ist einer der Vorteile.

Flexible Bandbreite

Frage: Es gibt noch mehr?

Ch. Holstein: Aber sicher. Nehmen wir als Beispiel ein klassisches Anlagegefäss mit einer Bandbreite von 15 % bis 35 % Aktienanteil. Das bedeutet: Wie auch immer sich der Markt entwickelt, der Fonds darf nie mehr als 35 % und nie weniger als 15 % Aktien beinhalten. Wenn die Märkte fallen, muss der Portfoliomanager mindestens 15 % Aktien halten oder ersetzen, um die Grenze von 15 % nicht zu unterschreiten. Im Fall einer positiven Marktentwicklung müssen Aktien dafür verkauft werden, um das obere Limit von 35 % einzuhalten.

A. Holmes: Im Gegensatz dazu ist die dynamische Anlage nicht an eine vorgegebene Aktienquote gebunden. Gemäss BVV 2 ist ein Aktienanteil zwischen 0 % und 50 % gesetzlich erlaubt – und diesen nutzen wir aus.  

Ch. Holstein: So vergrössert sich der Spielraum. Wie auf einem Klavier. Anstatt nur in der Enge von zwei Oktaven zu musizieren, nutzen Sie alle 88 Tasten.

Frage: Das klingt alles schön und gut. Funktioniert sicher auch prächtig, wenn die Finanzmärkte mitspielen. Doch die sind unberechenbar. Gehen wir kurz von einem Worst-Case-Szenario aus. Wie sichert sich die Perspectiva gegen einen Crash ab?

A. Holmes: Bei der Perspectiva wird – jedes Jahr neu – ein sogenanntes Sicherheitsniveau festgelegt. Ein Sicherheitsnetz zur Begrenzung von Verlusten. Sobald der Wert des Portfolios auf dieses Niveau sinkt, ist der Aktienanteil bei 0 % und das Vermögen besteht bis zum Jahresende ausschliesslich aus risikoarmen Anlagen, zum Beispiel Obligationen Schweiz.

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Oberstes Ziel für Stiftungen von Pensionskassen ist, die Renten für zukünftige Pensionäre zu sichern.

Oberste Maxime: Sicherheit der Altersguthaben

Frage: Nochmals zur Rendite. Pensionskassen stehen immer wieder im Verdacht, ihren Managern hohe Boni und den Aktionären Dividenden auszubezahlen, die eigentlich den Versicherten gehören. Ein Vorurteil?

A. Holmes: Hier liegt ein signifikanter Denkfehler vor. Pensionskassen sind Stiftungen, NGOs, wenn Sie so wollen. Sicherheit für die Ersparnisse der zukünftigen Pensionärinnen und Pensionäre steht hier an allererster Stelle.

Ch. Holstein: Eine BVG-Stiftung zahlt keine Dividenden aus. Der Zweck der Stiftung besteht darin, die Versicherten und ihre Angehörigen im Alter, bei einem Todesfall oder bei Invalidität abzusichern. Uns geht es in erster Linie darum, die Vorsorgegelder unserer Versicherten bestmöglich zu verwalten. Ziel ist es, versprochene Leistungen zu jedem Zeitpunkt gewährleisten zu können. Allfällige Gewinne an den Finanzmärkten werden zur Verstärkung der Wertschwankungsreserven, zur Verzinsung der Altersguthaben und zur Bildung der gesetzlich vorgeschriebenen Reserven genutzt.

Frage: Klingt fast so, als wäre die dynamische Anlagestrategie das ersehnte Wundermittel gegen sämtliche Krankheiten der 2. Säule.

Ch. Holstein: Schön wärs. Doch eine dynamische Anlage löst die aktuellen Probleme der Pensionskassen nicht. Um die Stabilität des Systems langfristig zu gewährleisten, müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst werden. Und da ist die Politik dringend gefragt.

Frau Holstein, Herr Holmes, vielen Dank für das Gespräch.

Holstein
Christine Holstein, Geschäftsführerin Perspectiva Sammelstiftung
allan holmes
Allan Holmes, Stv. Geschäftsführer Bâloise-Anlagestiftung

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